Mittwoch, 1. Mai 2013

Anschluss gefunden

VERKEHR Mit der Freigabe am Autobahndreieck Südharz ist ein weiteres Stück der A 71 fertig. Von Ende 2014 an soll es im Express-Tempo nach Bayern gehen.

VON KATRIN LÖWE

SANGERHAUSEN/MZ - Sachsen-Anhalt und Bayern rücken ein Stück näher zusammen: Gestern ist auf der Autobahn 71 nach Schweinfurt ein weiteres Teilstück der wichtigen Nord-Süd-Trasse freigegeben worden, das den Anschluss an die Autobahn 38 herstellt. In den knapp 18 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Autobahndreieck Südharz und dem thüringischen Heldrungen wurden rund 191 Millionen Euro investiert.

Damit fehlen der A 71 noch elf Kilometer zwischen Sömmerda und dem provisorischen Anschluss an die B 85, um durchgängig bis Bayern befahrbar zu sein. Nach Angaben des Thüringer Verkehrsministeriums soll dieser Abschnitt bis Ende 2014 fertiggestellt werden. Die Autobahn gilt bei Kraftfahrern als Alternative für die A 9 in Richtung Bayern. Mit ihrer Anbindung an die A 4 nach Frankfurt (Main) kann sie auch einige chronisch überfüllte Abschnitte der Ost-West-Verbindung entlasten. Landes- und Kommunalpolitiker aus Sachsen-Anhalt fordern nun zudem einen Weiterbau der A 71 von Sangerhausen bis zur A 14 bei Plötzkau.

Im Raum Mansfeld-Südharz werden in die bessere und schnellere Anbindung an Thüringen und Bayern große Erwartungen gesetzt. "Sie birgt große Chancen für die bestehende Wirtschaft und auch für künftige Investoren", sagte Landrat Dirk Schatz (CDU). Sowohl in Sangerhausen als auch in Artern sind Industriegebiete geplant.

Eine Studie der Fachhochschule Erfurt zu wirtschaftlichen Effekten neuer Autobahnen dämpft die Hoffnungen indes: Es könne "kein Zusammenhang zwischen Autobahnnähe und positiver wirtschaftlicher Entwicklung nachgewiesen werden", heißt es in einer Mitteilung der Hochschule. Die Wissenschaftler hatten neben der A 20 im Norden und der Südharzautobahn auch die A 71 untersucht.

Die Studie stellte darüber hinaus fest, dass bei fast allen Autobahnabschnitten die Baukosten deutlich über den Erwartungen lagen, der Verkehr dafür ausnahmslos geringer ausfiel. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag bezifferte der Bund zuletzt die Baukosten für die A 71 von Erfurt bis Bayern mit 1,66 Milliarden statt der ursprünglich geschätzten 847 Millionen Euro. Die Strecke Erfurt-Sangerhausen wird demnach 621 statt 398 Millionen Euro kosten. Die Autobahn gilt als eine der teuersten Straßen Deutschlands.

Für 2025 prognostiziert die Bundesregierung auf der Strecke Erfurt-Sangerhausen zwischen 37 000 und 72 000 Fahrzeuge täglich. Bei der letzten Verkehrszählung vor drei Jahren waren es zwischen 15 000 und 24 000. Auch im längst fertigen Abschnitt Thüringen-Bayern blieben die Zahlen hinter den Prognosen zurück.


»Naumburger Tageblatt«, 30.4.2013, S. 1

Donnerstag, 25. April 2013

Problem sollte nicht ignoriert werden

Zum Welterbeantrag von Teilen der Saale-Unstrut-Region und dem geplanten Bau der Umgehungsstraße Bad Kösen und Naumburg.

Im jetzt auf den Weg gebrachten Welterbeantrag für die hochmittelalterliche Kulturlandschaft im Saale-Unstrut-Gebiet spielt diese Fragestellung scheinbar keine Rolle.

Das Gebiet wurde einfach so eingegrenzt, dass "störende" Bauten, wie das Zementwerk Karsdorf, die neue ICE-Strecke und die geplante Brücke der Bundesstraße 87n hinter der Burg Saaleck nicht im Antragsgebiet liegen. Doch gerade zur Brücke gab es von Icomos schon 2009 eine klare Aussage, dass die Brücke den Antrag gefährdet, weil sie die Sichtachsen nach Thüringen zerstört. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sieht die Problematik ebenso.

Wie geht man an anderer Stelle mit solchen Problemen um? Die Diskussion in Wörlitz, dass durch den geplanten Supermarkt vor den Toren des Welterbes Wörlitzer Park der Welterbetitel aberkannt werden könnte, sollte den Verantwortlichen in Naumburg zu denken geben. Auch in Wörlitz geht es um Sichtachsen. Die Vorsitzenden des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut, die den Welterbetitel beantragt haben und in politischer Verantwortung stehen, haben sich bis heute klar positioniert: Landrat und Oberbürgermeister setzen die Priorität auf die unnütze Brücke mit Umgehungsstraße. Was wohl die den Antrag letztendlich bewertende Unesco in Paris dazu sagt, wenn die Verantwortlichen, die das Antragsgebiet eigentlich schützen sollen, schon vor dem Antrag eine solche Schädigung billigend in Kauf nehmen?

Wörlitz zeigt, man muss sich mit dem Problem auseinandersetzen und es nicht ignorieren.

Der Welterbetitel ist für unsere Region außerordentlich wichtig und könnte vielen Entwicklungen dauerhaften Impuls geben. Dafür lohnt es sich zu kämpfen und nicht für eine Bundesstraße 87n, die keine Entlastung bringt.

Dr. Helmut Schache, Bad Kösen, Verein Rettet das Saaletal

»Naumburger Tageblatt«, 25.4.2013, S. 13

Montag, 11. März 2013

Besser mit Bus und Bahn

Zur Verkehrsentlastung durch Umgehungsstraßen und die Möglichkeiten des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Da Verkehrsbelastungen überwiegend durch innerörtlichen Quell-Ziel-Verkehr vom überwiegend automobilen Bürger selber verursacht werden, machen Umgehungsstraßen oft wenig Sinn. Bei dann weniger innerörtlichen Verkehr freuen sich Einzelhändler über weniger Kundschaft, was eine Entleerung der Innenstädte beschleunigt, da Geschäfte aufgegeben oder verlagert werden.

Verkehrsentlastung lässt sich über eine intensivere Nutzung des Bus- und Bahnverkehrs erreichen. Bei Berücksichtigung aller Kosten und cleverer Nutzung kommt dieser nicht teurer. Ach ja, die Verkehrsbelastungen sind vom Menschen gemacht und nicht von Gott gegeben und vom Himmel gefallen.

Ralf Kuke, Erfurt

»Naumburger Tageblatt«, 11.3.2013, S. 12

Samstag, 9. März 2013

Stadt muss Anreize für Entlastung geben

Zur Umgehungsstraße und zu Verkehrsplanungen in Naumburg.

Ein lautes "Bravo" auf den Leserbrief von Uwe Wenzel als Antwort zum Verkehrsforum der Grünen. Er legt die Hand in die offene Wunde einer zähen bundesdeutschen Verkehrsplanung, die oft an den regionalen Bedürfnissen vorbeigeht.

So auch bei den Planungen der Begradigung der Doppelkurve der B 87 zwischen Almrich und Schulpforte. Selbstverschuldete Unfälle trotz Geschwindigkeitsbeschränkung und Warnsignalanlage von unverbesserlichen Rasern, oft auch unter Alkohol, veranlassten Politiker, diesen Unfallschwerpunkt in ihre Planungen aufzunehmen, um die Unfallzahlen zu senken.

Entsteht die Frage: Wie viele Kurven der B 87 von Weißenfels bis Bad Kösen will man bei der derzeitigen Finanzlage noch begradigen? Dieses Geld wäre besser in die archäologischen Untersuchungen der B 87n angelegt, um irgendwann, wenn wieder Geld zur Verfügung steht, sofort mit der Umgehungsstraße anfangen zu können. Denn ganz aufgegeben ist der Bau der Umgehungsstraße noch lange nicht. Die politischen Signale vor der Wahl lassen zumindest darauf schließen. Denn 6 500 Umgehungstraßenbefürworter sind auch Wähler.

Eine Frage ergibt sich aber durch das Forum doch: Will man sich in der Naumburger Stadtverwaltung von Verkehrsplanern aus fremden Regionen die Butter vom Brot nehmen lassen, oder hat man keine mit der Problematik vertraute Fachleute? Die Fehlplanung der "Poller" an Marktplatz und Marienstraße und jahrelanges Schweigen zur Problematik lassen zumindest darauf schließen. Auch die Trasse entlang der Bahn, von der Roßbacher Straße bis Almrich bietet ausbaufähige Entlastungsmöglichkeiten bei Bauarbeiten oder anderen verkehrsbedingten Sperrungen. Diese Vorschläge wurden aber alle mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt. Gesetzt den Fall, die Umgehungsstraße kommt doch unverhofft? Was hat man für ein Verkehrskonzept in der Schublade, um beispielsweise Lkw und Durchgangsverkehr auf die Umgehungsstraße zu zwingen? Welche Anreize hat man zu bieten, auch den Ziel- und Quellverkehr zu veranlassen, die Umgehungsstraße zu nutzen, um damit die Verkehrsdichte der alten B 87 zumindest im Stadtkern zu mindern? Die Wähler der Region warten auf Antworten. Es gibt auch unter der Bevölkerung machbare Vorschläge und Ideen, wie man die Bundesstraße 87 und den Stadtkern bis zur Realisierung der B 87n entlasten kann. Man muss sie nur in einem eigenen Forum anhören.

Heinz Reumann, Schulpforte

»Naumburger Tageblatt«, 7.3.2013, S. 12

Mittwoch, 6. März 2013

Vergleich mit anderen Städten hinkt

Zum Thema Neubau der Ortsumfahrung für Naumburg und Bad Kösen sowie zu den Leserbriefen von Peter Stumpf vom 27. Februar und Bernd Wagenhaus vom 28. Februar zum selben Thema.

Alle Ortsumgehungen sind gleich, bringen die gleichen Entlastungen. So die Lesermeinungen der Naumburger Verkehrsexperten im Naumburger Tageblatt/MZ. Die Retter des Saa-letals und die Wethautaler wollen die heilende Wirkung der ortsnahen Ortsumgehung Freyburg übersehen.

Nur, es kann doch nicht eine Umgehungsstraße von Freyburg, einer Stadt mit 4 000 Einwohnern und gerade mal einem größeren Betrieb, als Heilung für größere Städte mit noch größerem Ziel- und Quellverkehr verglichen werden. Ich bin ja froh, dass Herr Stumpf nicht Ebersroda oder andere Dörfer mit Rundstraßen als Vorbild für die Verkehrsentlastung genannt hat. Der Ordnung halber darf nicht vergessen werden: Diese von diesem Schreiber verniedlichte Brücke wurde nicht so gebaut, wie sie geplant wurde.

Zum Vergleich: Die Stadt Naumburg hat 32 000 Einwohner mit etwa 1 700 Firmen und damit einen großen Ziel- und Quellverkehr. Freyburg hat eine ortsnahe Ortsumgehung. Für Naumburg und Kösen ist eine kilometerweit entfernte Umgehung geplant.

Und da haben wir schon die Antwort für Herrn Wagenhaus: So schnell, wie er den Leserbrief von Herrn Stumpf ergänzt hat, so schlecht sind seine Hinweise, warum Zeitz, auch eine Stadt mit etwa 32 000 Einwohnern, den Ziel- und Quellverkehr nicht los wird. Die Ortsumgehung ist ortsfern gebaut. Kein Zeitzer fährt doch auf die Ortsumgehung, um nach Altenburg zu kommen, und diese Ortsumfahrung ist sehr gut ausgeschildert. Genau so wenig fährt ein Wethauer auf eine ortsferne Ortsumgehung, um nach Almrich zu kommen. Oder fährt ein Almricher auf die Ortsumgehung, um ins Kaufland zu gelangen? In Weißenfels dasselbe. Die halbe Stadt arbeitet bei Tönnis, warum sollen die Leute um die Stadt herumfahren, um nach Hause zu kommen?

Diese ortsfernen Straßen sind geplant und gebaut als mautsparende Abkürzung für den Fernverkehr. Das beste Beispiel: Bundesstraße 91 von Leuna zur Autobahn 38 und Bundesstraße 2 von Gera bis zur Autobahn 4, da hat sich der Schwerlastverkehr verdoppelt. Und die Naumburger ortsferne Ortsumgehung wird gebaut für den Fernverkehr von Osterfeld (Autobahn 9) bis Mellingen (Autobahn 4).

Lustig wird es für Naumburg erst dann, wenn im Süden Naumburgs eine Transitstraße gebaut würde und der Fernverkehr aus Richtung Querfurt von der Autobahn 38 (und später, mit der Fertigstellung der A 143 auch von der A14) dann über die Henne oder Roßbach über die neue Transitstraße nach Westen abkürzen will. Hettstedt, Eisleben und Querfurt haben schon ihre ortsferne Ortsumgehung, und da geht jetzt schon richtig die Schwerlastpost ab. Und mit der Naumburger Ortsumgehung wird dann auch endlich die Freyburger Ortsumgehung richtig ausgelastet.

Aber egal: Leichtgläubig und siegessicher lassen wir die Politiker weiter ihre Denkmäler bauen, und für die Naumburger wird es doch nicht besser. Einen Tipp noch: Es muss heute keiner mehr durch Weißenfels fahren um nach Halle zu kommen, und wer nach Leipzig will, schon gar nicht durch Zeitz. Dafür gibt es schon Ortsumgehungen und neue Autobahnen.

Erwin Zimmermann, Saaleck

»Naumburger Tageblatt«, 6.3.2013, S. 10

Donnerstag, 28. Februar 2013

Argumente der Gegner ziehen nicht

Zur einer Veranstaltung der Bündnisgrünen und des Vereins "Rettet das Saaletal" zur Verkehrsentlastung von Naumburg.

Ich möchte den Leserbrief von Peter Stumpf im Naumburger Tageblatt/MZ ergänzen. Von den Gegnern der Ortsumfahrung Naumburg-Bad Kösen wird auch immer wieder das Argument ins Feld geführt, dass die Umfahrung von Weißenfels und die von Zeitz keine Entlastung für die Innenstädte bringen. Wenn sich die Herren einmal richtig damit beschäftigt hätten, wäre ihnen sicherlich etwas aufgefallen: Erstens ist die Ortsumfahrung von Weißenfels nur eine Teilumfahrung für die B 91 Zeitz-Halle, die B 87 ist da gar nicht mit einbezogen. Wer von Naumburg Richtung Leipzig oder Halle will, muss durch die Innenstadt fahren. Wäre die Umfahrung von der Abfahrt Weißenfels-Süd Richtung B 87 in Höhe Einkaufszentrum Leißling/Mineralbrunnen weiter gebaut worden, gäbe es das Chaos in der Innenstadt von Weißenfels nicht.

Zweitens umfasst die Ortsumfahrung von Zeitz nur die Verbindung der B 2 südlich der Stadt zur B91 nördlich und tangiert in Grana nur die B 180, ohne diese aufzunehmen. Die B 180 bleibt weiterhin ausgeschildert durch Zeitz in Richtung Altenburg. Das ließe sich nur durch eine entsprechende Beschilderung in Grana und von Altenburg her ändern. Es besteht ja die Möglichkeit, den Verkehr gezielt über die Umfahrung gen Theißen und dann nach Tröglitz und die Industrieanbindung Richtung Altenburg zu lenken. Die Straße ist fertig und befahrbar. Also auch dieses zweite Argument der Ortsumfahrungs-Gegner zählt nicht und verpufft. Manchmal hat man den Eindruck, es läuft unter dem Motto: Wir sind dafür, dass wir dagegen sind.

Die Krönung aber ist die Wethau-Thematik. Erinnern wir uns doch einmal, wer 1998 so laut gegen die Umfahrung im Ganzen war (Wethau sollte mit einbezogen sein). Die Wethauer haben doch das ganze Projekt verhindert. Wir hätten schon lange eine Ortsumfahrung haben können, wenn es dieses Veto nicht gegeben hätte. Die Argument Wethau ist heute also keines.

Abschließend kurz zu der angeblichen Problematik, die Umfahrung würde Verkehr anziehen. Wer fährt denn freiwillig sinnlose Kilometer, nur um eine Ortsumfahrung zu benutzen? Und das bei den Spritpreisen heutzutage. Glaubt jemand, der in Camburg wohnt und nach Apolda will, dass er über die Umfahrung von Bad Kösen schneller wäre? Wohl kaum.

Bernd Wagenhaus, Naumburg

»Naumburger Tageblatt«, 28.2.2013, S. 10

Mittwoch, 27. Februar 2013

Freyburg zeigt, dass es funktioniert

Zur Diskussion um die Ortsumfahrung Naumburg-Bad Kösen.

Ich möchte nicht anzweifeln, dass sich die Mitarbeiter solcher Planungsbüros Mühe geben, im Gegenteil. Nur die Frage ist ja, wem das Ergebnis gefallen soll, bestimmt denen, die die Rechnungen dafür bezahlen.
Wenn sich die Befürworter der Umgehungsstraße ein Planungsbüro nehmen würden, dann würden die das ihnen gefallende Ergebnis weit hinaus rufen. Aber warum Geld für eine Sache ausgeben, die eigentlich vor unser aller Tür bereits in der Praxis Anwendung und Akzeptanz gefunden hat? Und was das Wichtigste daran ist, sich bewährt hat: Freyburg an der Unstrut! Hier gibt es eine "Monsterbrücke", eine Ostspange als Ortsumfahrung und ein Verkehrskonzept. Alle drei Faktoren zusammen funktionieren, und das bereits seit Jahren.

Also lassen wir doch ebenfalls diese drei Faktoren für Naumburg und Bad Kösen zu, und schon haben wir ein akzeptables Ergebnis. Dass aber die so genannten Retter des Saaletales nicht Freyburg als Beispiel herangezogen haben, lässt die Vermutung zu: Nur was uns gefällt, wollen wir sehen, alles andere interessiert nicht und ist kontraproduktiv.

Peter Stumpf, Naumburg

»Naumburger Tageblatt«, 27.2.2013, S. 11

Freitag, 22. Februar 2013

Mut haben

MEINUNG II Umgehung bringt es nicht.

VON MYHEIMAT-AUTOR ERWIN ZIMMERMANN

Alle sollen fahren - so habe ich die Zukunftsaussichten der Grünen auf der Veranstaltung in der " Alten Schmiede" in Naumburg verstanden. Es sollte keine Diskussion zur Ortsumgehung, Transitstraße oder Monsterbrücke werden.

Aber es sind bald Wahlen, und so musste Landtagsabgeordneter Herr Wagner von den Linken grüne Zukunftsaussichten kritisieren. Landtagsabgeordnete Frau Niestedt (SPD) musste ihren 20 Jahre alten Traum von einer sinnlosen Umgehung an den Wähler bringen, und wenn mich nicht alles täuscht, waren es dieselben Worte wie am 8. Juni im Landtag. Verständlich sind die Sorgen der Anwohner, aber auch mit einer neuen Straße wird es für niemanden besser.

Der Naumburger Gemeinderat schickte sein bestes Pferd ins Rennen die moderne Verkehrszählungsanlage (Blitzer), die hat es geschafft, bis zu 17 000 Fahrzeuge pro Stunde in Naumburg zu zählen, das macht fünf Fahrzeuge pro Sekunde. Zum Vergleich: Das Hermsdorfer Kreuz zählt 65 000 Fahrzeuge in 24 Stunden.

Das heißt für mich: Den Stadträten gehen die Fachkräfte aus. Mit diesen Politikern wird es schwer, die Bürger auf wahre Zukunftsaussichten im Regionalverkehr einzustimmen. Die Grünen werden nicht locker lassen, denn in Naumburg sind sie zurzeit die Einzigen, die sich an die Wahrheit des künftigen Verkehrsproblems herantrauen.

Nur im Moment will ja jeder seinen Kasten Bier von sonst wo herfahren, weil er irgendwo einen Euro billiger ist. Selbst Herr Daehre, ehemaliger Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, hat bekräftigt, dass solche sinnlosen Großprojekte falsch sind. Die 30er Zone eine gute Idee! Man muss nur Mut haben, dass alles auch mal auszuprobieren.

www.myheimat.de/beitrag/2491637

»Naumburger Tageblatt«, 22.2.2013, S. 10

Alte Kamellen aufgewärmt

MEINUNG I Keine Lösungen bei Runde.

VON MYHEIMAT-AUTOR DIRK MTE

Damit hatten selbst die Grünen nicht gerechnet: Der Andrang zu ihrer Veranstaltung über Möglichkeiten der Verkehrsentlastung auf Naumburgs Straßen war so groß, dass noch Stühle herbei geholt werden mussten.

Der perfide Schachzug war aber gut kalkuliert - gegen die geplante Umgehungsstraße B87n sollte Stimmung gemacht werden, indem diese offiziell gar nicht thematisiert werden sollte. Der Referent vom Planungsbüro Hunger (Dresden) konnte einem nur leidtun. Die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger war erschienen, um eben das Für und Wider dieser Umgehung auszuloten. Entsprechend emotional war die Stimmung.

Im Nachhinein muss man sich fragen, welches politische Schmierentheater hier gespielt wird. Die Inhalte des Vortrages waren nämlich keineswegs neu. Die bekam der Bürger bereits im August 2011 im Rathaus präsentiert. Warum wurde also nicht schon längst eine Umsetzung in die Wege geleitet? Oder warum wärmt man alte Kamellen wieder auf? Es beschleicht einen der Eindruck, hier werden absichtlich die Emotionen der Bürger gegeneinander ausgespielt, um Zeit zu gewinnen, in der Hoffnung, das Problem löse sich von selbst. Auch eine schöne Taktik.

Nadelöhr Wethauer Berg

Wichtig wäre in dieser Debatte zunächst einmal ein Perspektivwechsel. Zwei Dinge erscheinen in der Auseinandersetzung hinderlich: Verkehrsentlastung wurde in den letzten 20 Jahren ausschließlich in Form von Umgehungsstraßen gedacht, geplant und kommuniziert. Eine andere Vorstellung gab es gar nicht. Und die nun geplante Umgehungsstraße wird ausschließlich an ihrer potenziellen Effizienz gemessen, ganz nach dem Motto "kostet viel, bringt wenig".

Unbestritten ist: Naumburgs Straßen sind voll. Und Naumburgs Straßen sind dem Verkehrsaufkommen nicht wirklich anpassbar, dafür ist es am Ende zu eng. Zudem hat man - vor allem im Winter - das Problem fehlender Alternativen. Ist das Nadelöhr Wethauer Berg mal wieder dicht, staut sich der Verkehr bis zur Autobahn und bis tief in die Innenstadt.
Und auch, wenn sich eine Umgehung nicht wirklich "rechnen" wird, weil zu befürchten ist, dass die Auslastung relativ gering bleibt, so ist jedes Fahrzeug, das nicht durch Naumburg fährt, ein Gewinn. Zudem ließe sich mit einer ordentlichen Streckenführung um Wethau das Nadelöhr Wethauer Berg umfahren, und man hätte im Bedarfsfall eine Alternative, um den Verkehr am Laufen zu halten.

Erhöhter Individualverkehr

Dass es zur Umgehungsstraße weiterer Maßnahmen bedarf, ist angesichts des Binnen-, Quell- und Zielverkehrs nicht zu bestreiten. Aber auch hier ist gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht. Tempo 30 vermindert den Lärm, aber nicht die Anzahl der Fahrzeuge. Die Poller in der Innenstadt werden inzwischen nicht mehr genutzt, weil die Händler sich beschweren. Der ÖPNV verkehrt in aller Regel nicht so, wie es der einzelne Bürger benötigt. Das ist ja gerade eine der Ursachen für die enorme Zunahme des Individualverkehrs. Güterverkehr ist über das Schienennetz offensichtlich nicht wirtschaftlich, sonst würde man es längst machen. Die Straßenbahn ist zwar beliebt, aber überlebt auch nur dank großzügiger Subventionen, die sich die Kommune im Grunde nicht leisten kann. Ein Ausbau der Radwege erscheint noch am sinnvollsten, zumal der Freizeittourismus davon profitieren könnte. Aber ein gutes Radwegenetz in Naumburg und entlang der Saale wird die Menschen auf den Dörfern, die in aller Regel etwas abseits davon liegen, dennoch kaum dazu bewegen, diese für Alltagswege zu nutzen.

Wir stehen also vor dem Dilemma, dass in Naumburg verkehrstechnisch nicht mehr zumutbare Zustände herrschen, und wir nur wenige Möglichkeiten haben, überhaupt etwas zu ändern. Insofern wäre es hilfreicher, die Umgehung nicht in Kosten-Nutzen-Relationen zu sehen, sondern in ihrem Entlastungseffekt. Der mag gering sein, aber ist immerhin vorhanden.

Welches Signal soll denn politisch gesendet werden: Das alles keinen Zweck hat, weil in 20 Jahren kaum mehr jemand hier wohnt - die Alten tot, die Jungen abgewandert? Oder will man eine Region, die trotz Schrumpfung auch in 30 Jahren noch vital ist?

www.myheimat.de/beitrag/2491535

»Naumburger Tageblatt«, 22.2.2013, S. 10

Donnerstag, 21. Februar 2013

Verkehrskonzept für Naumburg nötig

Zum selben Thema und einem Forum ein Naumburg.

Nun hat auf Einladung der Bündnisgrünen ein zweites Planungsbüro die Aussage der Verkehrsuntersuchungen der Planungsunterlagen zur B 87n bestätigt, dass die hohe Belastung Naumburgs mit einer ortsfernen Umgehung allein nicht zu reduzieren ist. Wie war die Reaktion im Publikum? Die anwesenden Lokalpolitiker von SPD und der Linken haben wieder gebetsmühlenartig alles von der allein selig machenden B 87n abhängig gemacht, ein Standpunkt, von dem sich selbst der Vorhabenträger inzwischen getrennt hat. Nicht alles hielt einem "Faktencheck" stand, so die Aussage vom MdL Herrn Wagner nach einem Schwerlastanteil von 33 Prozent oder als ein Stadtrat von 17 000 Fahrzeugen in der Stunde (!) in der Weißenfelser Straße berichtete. Die letzte offizielle Verkehrsmengenkarte 2010 (siehe auch www.bast.de, Zählerstelle 3816) spricht hier von 14 644 Kfz pro 24 Stunden einschließlich 1 034 Lkw (sieben Prozent). Gerade jemand in solchen Positionen sollte eigentlich wissen, wovon er spricht, wenn er spricht.

Interessanter war dagegen dem Volk, meist Anwohner verkehrsbelasteter Straßen, "auf's Maul zu schauen". Konkrete Engpässe wurden genannt: Almricher Berg und Weißenfelser Straße, letztere besonders durch die Ballung von Einkaufszentren, Tankstellen, Schnellrestaurant und Verwaltung. Aber auch die nördlich von der B 87 gelegene Jägerstraße, die von einer Ortsumfahrung gar nichts spüren würde.

Die Bedeutung der Verkehrssicherheit stellt sich sicher nicht nur an den Schulen entlang der B 87. Genau wie die Frage, ob eine Ampelfolge den Verkehr fließen lassen oder "entschleunigen" soll. Und nicht zu vergessen der spezielle Lkw-Verkehr durch Rüben und Kalk, ein Problem, das es früher durch die "Zwangsverschickung" per Bahn nicht gab. Es existiert in allen Orten entlang der B 87.

Wie können Lösungen für diese vielen Problempunkte aussehen? Und wann können sie wirken? Der Bau der B 87n ist nach Darstellung des finanzierenden Bundes bis 2015 auf Eis gelegt. Selbst wenn sie dann zügig gebaut werden würde, wäre sie frühestens nach 2017 "verkehrswirksam". Vier Jahre, in denen sich nichts ändern soll?

Der Gutachter benannte ähnliche Projekte wie beispielsweise die OU von Weißenfels oder Zeitz, die nach ihrer Fertigstellung die Innenstädte entgegen der Hoffnung der Anwohner leider auch nicht entlasten. Gerade Zeitz hat dies erkannt und ist dabei, gemeinsam mit seinen Einwohnern ein kommunales Verkehrskonzept umzusetzen.

Das Forum machte deutlich, dass auch Naumburg ein solches Konzept dringend benötigt. Tempo 30 und Nachtfahrverbote für Lkw sollten dabei keine Tabus sein, wenn man ernsthaft nach einer schnellen Verbesserung sucht. Wenn Stadt und Einwohner zusammen für das Welterbe eintreten, warum nicht auch zusammen für ein gemeinsames Verkehrskonzept mit einer allgemeinen Verkehrsentflechtung.
Frank Biedenweg, Verein Rettet das Saaletal

»Naumburger Tageblatt«, 21.2.2013, S. 12

Entleerung der Innenstädte

Zur Frage der Verkehrsentlastung durch Ortsumgehungsstraßen.

Da die meisten Verkehrsbelastungen durch innerörtlichen Quell-Ziel Verkehr verursacht werden, machen Umgehungsstraßen oft wenig Sinn. Bei möglicherweise weniger innerörtlichem Verkehr freuen sich auch Einzelhändler über weniger Kundschaft, was eine Entleerung der Innenstädte hervorrufen kann beziehungsweise diesen Prozess beschleunigt. Verkehrsbelastung lässt sich über eine intensivere Nutzung des Bus-/Bahnverkehrs erreichen. Bei Berücksichtigung aller Kosten und cleverer Nutzung kommt der Bus-/Bahnverkehr nicht teurer. Zum Unesco-Weltkulturerbe gehören nun mal keine Straßen, die Täler überspannen, weil es diese ja erst in der Neuzeit gab und nicht vor Hunderten von Jahren.

Ralf Kuke, Erfurt

»Naumburger Tageblatt«, 21.2.2013, S. 12

Montag, 18. Februar 2013

Keine Antworten auf Frage gegeben

Zum Bürgerforum "Wie kann die Verkehrsbelastung in Naumburg und Bad Kösen verringert werden?", das in Naumburg stattfand.

Als Überschrift zum Bürgerforum stand ganz oben "Wie kann die Verkehrsbelastung in Naumburg und Bad Kösen verringert werden?" Dazu gab es aber keine konkreten Aussagen, auch gescheite Alternativen zur Ortsumgehung kamen nicht zur Sprache. In dem Bürgerforum machte ein Verkehrsgutachter zur Verkehrsbelastung seine Ausführungen. Sein Vorschlag war dahingehend, im Stadtgebiet teilweise auf das Tempo auf 30 zu verringern! Wird dadurch der Verkehr etwa weniger?

Wer bei klarem Verstand ist, kommt zu der Erkenntnis, wohl kaum. Des Weiteren wurden die Menschen in der Umgebung aufgerufen, mehr auf das Fahrrad umzusteigen. Eine wesentliche Belastung der Bundesstraße 87 macht innerhalb von vier bis fünf Monaten der Lkw-Verkehr der Zuckerrübenkampagne aus. Über den starken Lkw-Verkehr wurde in dem Forum kein Wort verloren. Sollen die Rüben in Zukunft mit dem Fahrrad nach Zeitz kommen? Wohl kaum! Im weiteren Verlauf des Gesprächs sagte der Verkehrsgutachter, dass Bund, Land oder Kreis in Zukunft immer weniger Geld für den Straßenneubau zur Verfügung haben. Nun kommt es ganz dick! In diesem Jahr soll die B 87 zwischen Almrich und Schulpforte laut Naumburger Tageblatt/MZ vom 7. März neu gebaut werden.

Eine gute, funktionstüchtige Straße mit Geschwindigkeitsbegrenzung sowie Geschwindigkeitswarnanlage soll eingestampft werden!
Dort soll auf 929 Metern die Straße teilweise verlegt beziehungsweise erneuert werden. Weil aber die neue Straße auf fremdem Boden verlaufen soll, muss der Bund auch noch Grundstücke für 1,18 Millionen Euro erwerben. Nun kommen aber auch noch die Kosten für den Straßenneubau dazu.

Ich erinnere an die Aussage des Gutachters, es gibt immer weniger Geld für den Straßenneubau. Wer will uns hier verschaukeln? Wäre das Geld nicht besser angelegt für andere Straßen in Naumburg?

Uwe Wenzel, Naumburg-Almrich

»Naumburger Tageblatt«, 18.2.2013, S. 13

Freitag, 15. Februar 2013

Niedrigere Tempi, mehr Räder

VERKEHR Forum diskutiert Entlastung für Naumburg und Bad Kösen. Einer Ortsumfahrung sprechen Grüne und Dresdner Planungsbüro diesen Effekt ab.

VON MICHAEL HEISE

NAUMBURG - Nein, eine Diskussion darüber, ob eine Ortsumgehung für Naumburg und Bad Kösen sinnvoll ist oder nicht, sollte es nicht werden. Ausklammern ließ sie sich nicht. Vorrangig aber stand die Frage, wie die Verkehrsbelastung für beide Orte durch vergleichsweise wenig kostenintensive Maßnahmen reduziert werden kann.

Einer Veranstaltung in Naumburg, zu der die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt eingeladen hatte und an der neben dem Verein "Rettet das Saaletal" Kommunalpolitiker und viele interessierte Einwohner teilnahmen, lag dabei ein von ihr beauftragtes Konzept des Dresdner Planungsbüros Hunger zugrunde. Kernaussage: Eine Ortsumgehung Naumburg-Bad Kösen bringt mit einer Reduzierung von 1 500 Fahrzeugen pro Tag nicht den erhofften Entlastungseffekt, bedingt durch einen überwiegend hohen Anteil innerörtlichen Verkehrs. Ziel muss es sein, diesen erträglicher zu gestalten.

30er-Geschwindigkeit bald usus

Das Planungsbüro setzt dabei vor allem auf eine Entschleunigung durch Tempo-30-Bereiche, einhergehend mit einer Reduzierung von Straßenquerschnitten samt einer Gestaltung, die Autofahrer animiert, langsamer zu fahren. Die Effekte: Weniger Lärm und Schadstoffe, höhere Sicherheit und Lebensqualität sowie Wertsteigerung der Immobilien.

"Die Überlegungen in Deutschland gehen längst dahin, innerorts prinzipiell eine Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde festzuschreiben. Und da, wo schneller gefahren werden kann, das durch Schilder auszuweisen", sagt Planungsbüro-Chef Ditmar Hunger. Ins Detail ging sein Mitarbeiter Tobias Schönfeld. Eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf Tempo 30 entspräche einer Lärmminderung um zwei bis drei Dezibel, was wiederum einer gefühlt 50-prozentigen Verkehrsabnahme entspräche. Hingegen hielten sich die Zeitverluste für die Autofahrer in Grenzen. Als potenzielle 30er-Bereiche nannte Schönfeld den Almricher Berg, die Freyburger Straße, den Linden- und den Postring. Hinweise aus dem Publikum, wonach auch Weißenfelser und Jägerstraße Berücksichtigung finden müssten, wolle man prüfen.

Gegenstimmen blieben nicht aus und gab es reichlich. Die meisten Lkw, so sagte ein Teilnehmer, kämen von außerhalb. Sie könne man nur durch eine Ortsumfahrung verbannen. Dadurch würde auch die Sicherheit erhöht. Man dürfe nicht vergessen, dass sich allein an der Bundesstraße 87 vier Schulen befänden. Linkspolitiker Jan Wagner bemerkte, dass jedes dritte Fahrzeug in der Weißenfelser Straße ein Lkw sei. Und SPD-Landtagsabgeordnete Krimhild Niestädt meinte, Beschränkungen im innerstädtischen Verkehr gebe es bereits, wirkliche Entspannung bringe nur eine Umgehung. Und diese werde kommen. Jeder Schwerlaster weniger sei für Naumburg und Bad Kösen ein Gewinn.

Grünen-Politiker Frank Albrecht hielt dem entgegen, dass selbst der Planungsträger, die Landesstraßenbaubehörde, nicht mehr an eine ausreichende Entlastung glaube. Das habe sie bei einem Anhörungstermin deutlich gemacht. Zur Bekräftigung dessen hieß es seitens des Planungsbüros, dass die Weißenfelser Umfahrung der Beleg für Falschplanungen sei, denn das Gros des Verkehrs führe weiter durch die Innenstadt.

Schnellweg für Radfahrer

Zur Entlastung in Naumburg und Bad Kösen könnten auch neue und besser ausgebaute Radwege beitragen. Würde ein entsprechendes Angebot vorgehalten, seien auch mehr Bürger bereit, Distanzen mit dem Rad zurückzulegen, sagte Tobias Schönfeld. Dabei brachte er einen Radschnellweg zwischen Naumburg und Bad Kösen auf vorhandenen Wegen in Spiel (neue Straße ab Klärwerk Bad Kösen bis Schulpforte und Almrich, weiter entlang des Bahndammes bis zur Freyburger Straße in Naumburg). "Bis auf wenige Umbauten ist ein solcher Schnellweg unkompliziert und kostengünstig eingerichtet", meinte er. In Dänemark und den Niederlande gäbe es längst solche Trassen, im Ruhrgebiet sei eine in der Diskussion. Und: "Das Rad gewinnt bei steigenden Kraftstoffpreisen immer mehr an Bedeutung. Im Zeitalter des Elektroantriebs sind damit auch größere Entfernungen unproblematisch."

Modell für weitere Städte

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion und Moderator der Veranstaltung, Christoph Erdmenger, sagte, dass das Konzept des Planungsbüros am Anfang stehe und Anregungen aus der Runde eingearbeitet würden. Am Ende solle es als Modell für weitere mittelgroße Städte in Sachsen-Anhalt dienen und in einer neuerlichen Veranstaltung vorgestellt werden.

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STIMMEN

ÖPNV stärken

Auf seiner Facebookseite hat Landtagsabgeordneter Jan Wagner (Die Linke) seinen Standpunkt geschildert und damit zu einer Diskussion angeregt. Wagner schreibt zu den Vorschlägen zum Thema Tempo 30: "Die vorgestellten Bereiche sind im kommunalpolitischen Raum ein Dauerbrenner und nicht neu. Zudem sollen sie mit Ausnahme Almrich nicht dort entstehen, wo die starke Verkehrsbelastung stattfindet. Ich halte die Vorschläge für gut und wichtig, aber eben nicht neu und nicht verkehrsentlastend." Zudem freue er sich, dass der Radverkehr in den öffentlichen Fokus gerückt wurde. Trotzdem stehe er weiter hinter der Umgehung B 87n.

Gunter Walther aus Lobitzsch schreibt in seinem Kommentar: "Bei gut gestalteten Verkehrsflüssen und der optimalen Nutzung der vorhandenen Ressourcen, bis hin zu E-Rädern, muss es keinen weiteren Eingriff in die wertvolle Landschaft geben. Auch wurde dargelegt, dass es sich die Kommunen und die Gesellschaft eigentlich nicht mehr leisten kann und sollte, solche Umgehungsstraßen als neue zusätzliche Infrastruktur aufzubauen. Wer gut zugehört hat, konnte auch hören, dass es ein Gewinn sein kann, mit dem Fahrrad zu fahren, statt 500 bis 2 000 Meter mit dem Auto zu absolvieren."

Facebook-Nutzer Ka Scha meint dagegen, dass ein "stimmiges ÖPNV-Paket" ebenfalls für Entlastung sorgt. Er schreibt dazu: "Dort Geld reinzustecken, wäre wesentlich sinnvoller. Allein die Einbindung der Straßenbahn in den MDV würde schon Vorteile bringen. Dazu warten noch Busse auf Reisende bei Zugverspätungen."CM

»Naumburger Tageblatt«, 15.2.2013, S. 7

Donnerstag, 7. Februar 2013

Einladung zum Fachgespräch am 13.2.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit lade ich Sie im Namen der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt sehr herzlich zum öffentlichen Fachgespräch:

"Möglichkeiten der Verkehrsentlastung von Naumburg und Bad Kösen"

ein.

Die Veranstaltung findet statt am

Mittwoch, den 13.02.2013 von 18:30 bis 20:30

im Tagungsraum Neuenburg, Hotel zur Alten Schmiede, Lindenring 36, 06618 Naumburg

Im Mittelpunkt des öffentlichen Fachgesprächs steht die Frage, mit welchen Maßnahmen die Verkehrsbelastung in den Städten Naumburg sowie Bad Kösen verringert werden kann. So ist es das Ziel, vor allem die Lärm- und Schadstoffbelastung zu vermindern. Zudem kann durch eine Verkehrsentlastung ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet sowie die Abhängigkeit von billigem Öl reduziert werden.

Die gesammelten Ideen sollen in ein Gutachten der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einfließen, welches Naumburg/Bad Kösen als Beispiel für die Entlastung in mittelgroßen Städten diskutiert. Zugleich sollen die Vorschläge als Alternative zu den unbrauchbaren Plänen, mittels eines Neubaus der Bundesstraße B 87n die Ortschaften zu entlasten, dienen.

Programm

18:30 Eröffnung

Christoph Erdmenger, Wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion "BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN" im Landtag von Sachsen-Anhalt, Vertreter "BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN" im Burgenlandkreis/Naumburg

19:00 Freie Diskussion

20:30 Ende der Veranstaltung

Wir bitten um eine kurze Rückmeldung an steffen.ebert@gruene.lt.sachsen-anhalt.de und freuen uns über Ihre Teilnahme.

Mit freundlichen Grüßen,

Christoph Erdmenger, MdL

Wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion "BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN" im Landtag von Sachsen-Anhalt

UMFAHRUNG NAUMBURG: Abgeordneter fragt zum Thema Wethau

"Welche Gründe sprachen bei der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans 2003 gegen die Aufnahme der Ortsumgehung Wethau?" Das ist eine der Fragen, die der Landtagsabgeordnete Christoph Erdmenger von Bündnis 90/Die Grünen der Landesregierung stellt. Nach einer Informationsveranstaltung vor Ort in Wethau hat Erdmenger eine parlamentarische Anfrage mit insgesamt neun Fragen verfasst.

Hintergrund ist, dass Wethau im Falle des Neubaus der Bundesstraße 87n südlich von Naumburg eine Verkehrslawine befürchten muss. Während Naumburg nur um 500 Fahrzeuge pro Tag entlastet werde, rechnet die Prognose der Landesregierung mit zusätzlichen 4 500 Fahrzeugen in Wethau. Erdmenger fragt nicht nur nach der Ortsumgehung, sondern auch nach anderen lärmmindernden Maßnahmen. "Die Ortsumgehung ist weit entfernte Zukunftsmusik, die einige Wethauer nicht mehr erleben dürften - wenn sie überhaupt je kommt. Was wir brauchen, sind Entlastungen heute", fasst der Verkehrspolitiker Erdmenger zusammen.

Daher schlägt er Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt vor und fragt nach der Möglichkeit, die Ortsdurchfahrt mit Flüsterasphalt zu erneuern. Eine kleine Hoffnung hat Erdmenger bereits zu bieten. Im zuständigen Verkehrsausschuss des Landtags habe die Landesregierung bereits bekannt, dass sie die Ortsumgehung Wethau für den nächsten Bundesverkehrswegeplan ab 2015 anmelden wolle. Mit Antworten auf seine detaillierten Fragen rechnet Erdmenger Ende Februar. AG

»Naumburger Tageblatt«, 6.2.2013, S. 7

Montag, 4. Februar 2013

Hellseherische Fähigkeiten

Zum Leserbrief von Frank Biedenweg vom 30. Januar.

Als lärmgeplagte Anwohnerin der Weißenfelser Straße lese ich genervt die Leserbriefe der sogenannten Retter des Saale-tals. Ich möchte diese alle einmal einladen, an dieser Straße einige Nächte zu verbringen. Meine Lebensqualität leidet trotz neuer Fenster sehr unter dem Lärm und Schmutz, und ich warte seit Jahren auf eine Entlastung.

Die Bürger von Weißenfels, Freyburg und auch Zeitz hatten das Glück, dass keine Retter eine Umgehungsstraße verhindert haben. Mich würde interessieren, sind dort alle Prognosen für oder gegen die Straße eingetroffen? Herr Biedenweg äußerte sich in seinem jüngsten Leserbrief bestens informiert. Ich würde bescheiden anmerken, werden heute neue Straßen im ländlichen Raum gebaut, bekommen betroffene Anwohner eine Lärmschutzmauer, also muss sich Herr Biedenweg keine Sorgen um die ländlichen Ruhezonen machen. In der Weißenfelser Straße sind keine Lärmschutzwände möglich. Ich weiß nicht, in welchem Gutachten festgestellt wurde, dass die Ortsumgehung nur 500 Autos Entlastung bringen soll. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie festgestellt werden kann, dass sich der Verkehr in Wethau und Eckartsberga verdoppeln soll. Fast glaube ich, die Retter des Saaletals besitzen hellseherische Fähigkeiten. Oder lesen sie im Kaffeesatz?

Ich gebe gern zu, dass ich nicht ausreichend informiert bin, doch zu jedem Gutachten gibt es sicher ein Gegengutachten. Ich lese aus den Leserbriefen der Retter des Saaletals immer wieder Intoleranz und einseitige Betrachtungsweise heraus. Menschen haben schon immer Brücken gebaut, um von A nach B zu kommen, sogar im Mittelalter. Ich empfinde die geplante Brücke auch nicht als Monsterbau, sie wirkt filigran, besser als die Waldschlösschenbrücke in Dresden. Wie die 6 000 Bürger, die für eine Entlastung unterschrieben haben, hoffe ich sehr auf einen baldigen Baubeginn, der schon vor 15 Jahren stattfinden sollte.

Petra Scholz, Naumburg

»Naumburger Tageblatt«, 4.2.2013, S. 10

Samstag, 2. Februar 2013

Ramsauer streicht Geld für den Osten

Verkehrsminister setzt mehr auf Sanierung - und da ist der Bedarf im Westen größer.

VON TIMOT SZENT-IVANYI

BERLIN/MZ - Die neuen Bundesländer sollen künftig deutlich weniger Geld für Straßen, Schienen und Wasserwege bekommen. Das geht aus dem Konzept für den neuen Bundesverkehrswegeplan 2015 hervor, das Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gestern vorgestellt hat. Danach ist geplant, in den nächsten Jahren wieder mehr in den alten Bundesländern zu bauen. "Es wird eine Verschiebung der Investitionsmittel von den neuen in die alten Länder geben."

Grund dafür ist eine neue Prioritätensetzung: So soll die Sanierung der vorhandenen Infrastruktur in Zukunft Vorrang vor dem Neubau haben. Da die Verkehrswege in Ostdeutschland vergleichsweise neu sind, besteht dort laut Ramsauer ein geringer Bedarf. Zudem will der Minister vorrangig Mittel in die Autobahnabschnitte stecken, die besonders stauanfällig sind. Auch davon sind im wesentlichen die alten Bundesländer betroffen.

"Das wird hier und da weh tun, aber es ist angesichts knapper Kassen notwendig", sagte der CSU-Politiker. Da nach der Wiedervereinigung überproportional viel Geld in den Osten geflossen sei, werde durch die Verschiebung niemand benachteiligt, sagte Ramsauer. Er sicherte aber zu, dass begonnene Autobahnprojekte wie die Nordverlängerung der A 14 zwischen Magdeburg und Schwerin oder der Bau der A 72 zwischen Chemnitz und Leipzig zu Ende geführt werden.

Der Bundesverkehrswegeplan ist die Grundlage für die Investitionsentscheidungen des Bundes. Der derzeit gültige Plan stammt aus dem Jahr 2003. Das neue Konzept wird erst nach der Bundestagswahl im Herbst beschlossen.

Ramsauer wiederholte die Forderung der CSU nach Einführung einer Pkw-Maut auf Autobahnen. Sie könnte bis zu fünf Milliarden Euro im Jahr einbringen. Eine Pkw-Maut wird aber bisher von CDU und FDP abgelehnt. Der Minister verlangte daher zumindest eine Aufstockung seines Haushaltes um 1,25 Milliarden Euro. Er verwies dabei auf einen Beschluss des CDU-Parteitags, in dem eine Erhöhung in dieser Größenordnung gefordert worden war. Im Finanzministerium stieß die Äußerung jedoch auf Unverständnis.

»Naumburger Tageblatt«, 2.2.2013, S. 2

Mittwoch, 30. Januar 2013

80 Millionen Euro für 500 Fahrzeuge

Zum geplanten Bau des Teils Naumburg der neuen B87.

Jetzt wurde es offen ausgesprochen: Die Entlastung Naumburgs durch die Ortsumfahrung Naumburg beträgt 500 Fahrzeuge in 24 Stunden. Was schon für die Umfahrung Bad Kösen (dort 1 500 Kfz/24 Stunden) fragwürdig war, wird endgültig zur Farce. Sind die geplanten 80 Millionen Euro für die B 87n verbaut, fließen immer noch täglich 13 500 Fahrzeuge durch die Weißenfelser Straße.

Ist es das wert? Ist es das, wofür 6 000 Bürger unterschrieben haben, für eine Entlastung um 500 Fahrzeuge? Ist es wert, das wegen 500 Fahrzeugen in Naumburg weniger, dann 4 500 Fahrzeuge in Wethau mehr fahren? Diese spielen übrigens in der Abwägung von Kosten und Nutzen keine Rolle, weil Wethau "außerhalb des Planungsraumes" liegt. Genau übrigens wie Eckartsberga, dort verdoppelt sich dann der tägliche Verkehr.

Was sind diese 4 500 Fahrzeuge eigentlich für Verkehr, wenn nur 500 davon dann nicht mehr durch Naumburg fahren? Die Baubehörde widerspricht weiterhin dem Argument einer neuen Transitstrecke, spricht von der "Bündelung kleiner Verkehre". Dabei steht im Planfeststellungsbeschluss für die Ortsumfahrung Bad Kösen auf Seite 91: "Festgelegt ist im Landesentwicklungsplan Sachsen-Anhalt von 1999 die Hauptverkehrsstraße mit Landesbedeutung B 87 Leipzig - Weißenfels-Naumburg/Bad Kösen-Eckartsberga (-Süd)."

Eine Anwohnerin in Wethau hat gezählt: Von 1 400 Fahrzeugen, die in einer Stunde an ihrem Haus vorbeifuhren, besaßen nur fünf Prozent kein BLK-Kennzeichen. Es bestätigt sich der schon in den Verkehrsuntersuchungen festgestellte überproportionale Anteil an Binnenverkehr, der sich durch solche ortsfernen Lösungen wie die neue B 87 nicht verändere. Mit dem Verkehr kommt dann auch der Lärm. Alle reden darüber, das Lebensqualität unter Lärm leidet, das die Minderung von Lärm eines der allgemeinen städtebaulichen Entwicklungsziele ist. Das gilt sicher vor allem für Anwohner, die an den sogenannten "Adern" einer Stadt, den Straßen, wohnen.

Ist es aber 80 Millionen Euro wert, das für eine nicht spürbare Senkung der Lärmbelastung der Anwohner der B 87 in den bisherigen ländlichen Ruhezonen durch eine neue B 87n zusätzlicher Lärm am Grenzwert des gesetzlich erlaubten "ertragen werden muss" (O-Ton Vorhabenträger)? Sein Tipp für Wethau, der in dieser Form natürlich auch für Naumburg gilt, lautet: "Wer von einer Bundesstraße über die gesetzlich erlaubten Grenzwerte hinaus mit Lärm belastet wird, kann für Lärmschutzmaßnahmen eine Förderung von 75% in der regionalen Landesstraßenbaubehörde beantragen."

Spätestens mit der Bestätigung durch die Straßenbauverwaltung, dass die B87n "nie für eine entlastende Wirkung für die Ortsdurchfahrten geplant war", sollte auch dem letzten Befürworter klar sein, die B87n bringt keine Entlastung für Naumburg, sie bringt nur eine Belastung für die Region.

Frank Biedenweg,
Verein "Rettet das Saaletal"
»Naumburger Tageblatt«, 30.1.2013, S. 11

Dienstag, 22. Januar 2013

Erörterungstermine B87n

Liebe Mitstreiter,

für alle Einwender gegen die geplante B87n Bauabschnitt OU Naumburg finden morgen und übermorgen Erörterungstermine statt.

Auch wir als Verein haben natürlich unsere Bedenken erklärt, die wir morgen verteidigen wollen.

Dazu vorab aus der offiziellen Verkehrsuntersuchung die Karte mit den Änderungen der Verkehrsmengen nach deren Fertigstellung als Prognose 2020. Dort wird an der Einbindung der neuen auf die alte Trasse (KP8) klar ersichtlich, das die sogenannte "innerörtliche Entlastung" für Naumburg gerade einmal 500 Fahrzeuge (pro 24h) beträgt, während für Wethau eine "innerörtliche Belastung" von zusätzlichen 4.500 Fahrzeugen (also 9 - in Worten NEUN - mal so viel) erwartet wird!

Für die Naumburger ist es noch schlimmer als für die Anwohner in Bad Kösen. Auch sie werden belogen, dass sie eine Entlastung bekommen, die sie nicht kriegen und den Wethauern (wie übrigens auch den Eckartsbergaern) wird vorgegaukelt, sie bekommen kurzfristig eine eigene OU, dabei reicht das Geld ja noch nicht einmal für die Projekte des aktuellen Bundesverkehrswegeplanes.

So bleibt wir wir schon immer gesagt haben: Wenn die B87n kommt, und das ist dann auf Jahre sicher, kommt auf jeden Fall nicht weniger, sondern mehr Verkehr.

Morgen hat man mal Gelegenheit statt mit Politikern, die sich meist doch nur hinter den "Verfahren" verstecken, mal den Planern und Vorhabenträgern seine Meinung zu sagen.

Ich weiß, das die meisten um diese Zeit arbeiten, aber wer es einrichten kann, den bitten wir mitzukommen.

Termin: 23./24.01.2013, 10 Uhr

Ort: Burgenlandkreis, Schönburger Straße 41, 06618 Naumburg, Kreistagssaal - Haus 2, Raum 2.317