Mittwoch, 16. März 2011

VERKEHR: Minister Karl-Heinz Daehre unterstreicht die Bedeutung der Ortsumfahrung, insbesondere für den Heilbadstatus Bad Kösens. Ihre logische Fortsetzung soll eine Trasse um Wethau sein.


Zwei neue Brücken statt Sprungschanzen
VON ROLAND LÜDERS

WETHAU/SCHÖNBURG - Wer zu Naumburg und Bad Kösen Ja sagt, muss auch zu Wethau Ja sagen. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre, der gestern auf Einladung des Landtagsabgeordneten Daniel Sturm (CDU) auch Wethau und Schönburg besuchte, wies mit dieser speziellen Auslegung eines bekannten Sprichwortes auf ein Problem mit den Umgehungsstraßen im Altkreis Naumburg hin. Denn die Ortsumfahrungen um die Kreisstadt und den Kurort sollen ja nicht nur beide Orte vom Fahrzeugstrom entlasten, sondern auch den Verkehr flüssiger gestalten. Und dieser Effekt verpufft teilweise, wenn sich die Autos und Trucks durchs Nadelöhr Wethau drängen müssen.

Mit der ab 2014 anstehenden Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans, so der CDU-Politiker, bestehe langfristig die Chance, dass Wethau in diesen Plan wieder mit aufgenommen wird. Voraussetzung sei jedoch, dass der sachsen-anhaltische Landtag entsprechende Prioritäten setzt. Noch völlig offen ist allerdings die Trassenführung dieser zweiten Ortsumfahrung. Wethaus Bürgermeister übergab in diesem Zusammenhang dem Minister eine Mappe mit einem Vorschlag, welche Lösung aus Sicht der Kommune und ihrer Einwohner die günstigste sein könnte. Favorisiert wird dabei eine weiträumige Südumfahrung Wethaus.

Keine Zukunftsmusik, sondern bald Realität werden soll das Ende der "Sprungschanzen" auf der Landesstraße 204 von Naumburg nach Schönburg in der Nähe der Neumühle. Mit diesen Schikanen werden Kraftfahrer derzeit wegen der desolaten Brücken über die Wethau und einen Flutgraben zum Fahren im Schritttempo gezwungen. Beide Bauwerke sollen im zweiten Halbjahr 2011 abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Voraussetzung dafür sei allerdings die Aufhebung einer zehnprozentigen Haushaltssperre für Daehres Ressort und damit die Freigabe von 3,5 Millionen Euro. Der Minister zeigte sich in dieser Hinsicht jedoch optimistisch.

Auf eine in Magdeburg allerdings noch nicht bekannte Schwierigkeit wies Wethautal-Bürgermeisterin Kerstin Beckmann mit Blick auf die notwendige Vollsperrung der L 204 hin. Die Umleitungsstrecke von Naumburg nach Schönburg über die B 87 und Plotha ist so lang, dass es Rettungsfahrzeugen unmöglich sei, den gesetzlich vorgeschriebenen Zeitrahmen einzuhalten. Gelöst werden könne das Problem, wenn die derzeit gesperrte Brücke auf der Verbindungsstraße zwischen Wethau und Schönburg so instand gesetzt wird, dass dort wieder Pkw und Rettungsautos fahren könnten. Die Kosten, so ergänzte Wethautal-Bauamtsleiterin Evelyne Schwikal, würden bei 160 000 Euro liegen.

Daehre versprach eine Prüfung, wobei die Frage geklärt werden müsse, welcher Fördertopf für die Brückenreparatur angezapft werden kann. Möglich wäre die Finanzierung im Rahmen des Entflechtungsgesetzes in Form einer zweckgebundenen Zuweisung an den Landkreis. (Kommentar)

KREISEL: Baubeginn ab 2012
Unabhängig von der Notwendigkeit des Baus einer Ortsumfahrung um Wethau soll als Zwischenlösung ein Kreisverkehr im Einmündungsbereich von B 180 und B 87 im genannten Ort errichtet werden (Tageblatt/MZ berichtete). Karl-Heinz Daehre rechnet damit, dass das Planfeststellungsverfahren für das Vorhaben im Herbst abgeschlossen ist und der Baubeginn 2012 erfolgen könnte. Der Kreisel würde dann zwischen der Wethaubrücke und der L 200 nach Mertendorf entstehen. Die B 180 soll im unteren Bereich hinter dem Fleischwerk entlang zum Kreisverkehr geführt und im oberen Bereich des Wethauer Bergs bis zum Abzweig nach Gieckau ausgebaut werden.

"Das ist keine positive Situation"
Inzwischen liegen zwei Klagen gegen das Bad Kösener Teilstück der neuen B 87 vor.

BAD KÖSEN/MHE - Das Land will mit dem Bund klären, ob nicht trotz Klage gegen die Ortsumfahrung Bad Kösen mit archäologischen Untersuchungen begonnen werden kann. Die neue B 87 würde großteils über Schlachtfelder von 1806 führen. Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre, der auf Anregung von Landespolitikerin Eva Feußner (CDU) in Bad Kösen war, sagte, die Grabungen seien mit einer halben Million Euro kalkuliert.

Gleichzeitig wäre unklar, in welchem Umfang sich das Projekt verzögert. "Neben dem Naturschutzbund hat auch die Agrar GmbH Hassenhausen gegen den Bau der Trasse geklagt. Es bleibt abzuwarten, wie die Begründungen dazu aussehen, die bis 4. April einzureichen sind, und ob das Bundesverwaltungsgericht diesen stattgibt", so Daehre. Letzterer Fall bedeute, dass der Bund Vorhaben, für die Baurecht besteht, vorziehe. "Das ist keine positive Situation." Gleichwohl sei die Straße im aktuellen Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft, für deren Bau bestehe ein gesetzlicher Auftrag. EU-Fördermittel müssten aber bis 2015 abgerufen sein. Daehre sagte, die Trasse Naumburg-Bad Kösen sei von großer Bedeutung für die Region und darüber hinaus, jeder Lkw weniger in den Orten eine Entlastung. Komme das Projekt zum Zuge, müsse zügig an der Planung für eine Wethauer Umfahrung gearbeitet werden.

Auf die Frage, welche Auswirkung eine Bauverzögerung für den Heilbadstatus Bad Kösens und das Kurpromenade-Projekt habe, verwies der Minister auf Bad Salzelmen. "Dort ist der Titel nur dauerhaft ausgesprochen worden, weil eine Umfahrung gebaut wurde." Ortsbürgermeister Gerd Förster kündigte an, dass Naumburg eine Verlängerung der bis 2012 geltenden vorläufigen Ausnahmegenehmigung beantragen werde.

ANFRAGE: Thema in Berlin
Die Bundesregierung hat auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Ortsumfahrung Bad Kösen geantwortet. Zum Unesco-Weltkulturerbe-Antrag heißt es, dass die Aufnahme Naumburgs in die Liste frühestens 2015 ansteht. Auf die Frage, ob die Ortsumfahrung den Antrag gefährden könnte, heißt es, dass "alle öffentlichen Belange miteinander abgewogen" worden seien. Gespräche mit der Unesco habe das Land Sachsen-Anhalt geführt. Die Bündnisgrünen wollten weiter wissen, mit welchen Auswirkungen auf den Tourismus durch die veränderte Verkehrsanbindung und die Landschaftsbeeinträchtigung der B-87-Brücke zu rechnen ist. Dazu, so die Antwort, lägen keine Informationen vor; die Brücke werde "in das Landschaftsbild eingebunden".

Zum Verkehrsaufkommen wird die Straßenverkehrszählung 2005 herangezogen: 3 630 bis 2 710 Kfz binnen 24 Stunden im westlichen Bereich der geplanten Umfahrung (Schwerlastanteil 110 bis 170) und 7 150 bis 9 780 Fahrzeuge auf der östlichen Strecke (Lkw 240 bis 650). In der Prognose für 2020 inklusive Ortsumgehung lauten die Werte: Für die alte westliche B 87/L 203 wird mit 1 400 Kfz kalkuliert, wobei schwere Fahrzeuge fünf Prozent ausmachen; der östliche Teil wird mit 8 500 Kfz binnen 24 Stunden beziffert. Für die neue B 87 (komplette Ortsumfahrung) gibt die Bundesregierung zwischen 5 800 (westlich) und 6 100 bis 10 600 Kfz (östlich) an. Davon stellen Lkw zwischen neun und zehn Prozent. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Ortsumfahrung gibt der Bund mit 2,5 an (Kosten: 68 Millionen Euro). EU-Fördermittel stünden zur Verfügung, "wenn der Großprojektantrag durch die EU-Kommission genehmigt wurde. Grundlage ist Baurecht".

»Naumburger Tageblatt«, Montag 16.3.2011, S. 7

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