Donnerstag, 21. Februar 2013

Verkehrskonzept für Naumburg nötig

Zum selben Thema und einem Forum ein Naumburg.

Nun hat auf Einladung der Bündnisgrünen ein zweites Planungsbüro die Aussage der Verkehrsuntersuchungen der Planungsunterlagen zur B 87n bestätigt, dass die hohe Belastung Naumburgs mit einer ortsfernen Umgehung allein nicht zu reduzieren ist. Wie war die Reaktion im Publikum? Die anwesenden Lokalpolitiker von SPD und der Linken haben wieder gebetsmühlenartig alles von der allein selig machenden B 87n abhängig gemacht, ein Standpunkt, von dem sich selbst der Vorhabenträger inzwischen getrennt hat. Nicht alles hielt einem "Faktencheck" stand, so die Aussage vom MdL Herrn Wagner nach einem Schwerlastanteil von 33 Prozent oder als ein Stadtrat von 17 000 Fahrzeugen in der Stunde (!) in der Weißenfelser Straße berichtete. Die letzte offizielle Verkehrsmengenkarte 2010 (siehe auch www.bast.de, Zählerstelle 3816) spricht hier von 14 644 Kfz pro 24 Stunden einschließlich 1 034 Lkw (sieben Prozent). Gerade jemand in solchen Positionen sollte eigentlich wissen, wovon er spricht, wenn er spricht.

Interessanter war dagegen dem Volk, meist Anwohner verkehrsbelasteter Straßen, "auf's Maul zu schauen". Konkrete Engpässe wurden genannt: Almricher Berg und Weißenfelser Straße, letztere besonders durch die Ballung von Einkaufszentren, Tankstellen, Schnellrestaurant und Verwaltung. Aber auch die nördlich von der B 87 gelegene Jägerstraße, die von einer Ortsumfahrung gar nichts spüren würde.

Die Bedeutung der Verkehrssicherheit stellt sich sicher nicht nur an den Schulen entlang der B 87. Genau wie die Frage, ob eine Ampelfolge den Verkehr fließen lassen oder "entschleunigen" soll. Und nicht zu vergessen der spezielle Lkw-Verkehr durch Rüben und Kalk, ein Problem, das es früher durch die "Zwangsverschickung" per Bahn nicht gab. Es existiert in allen Orten entlang der B 87.

Wie können Lösungen für diese vielen Problempunkte aussehen? Und wann können sie wirken? Der Bau der B 87n ist nach Darstellung des finanzierenden Bundes bis 2015 auf Eis gelegt. Selbst wenn sie dann zügig gebaut werden würde, wäre sie frühestens nach 2017 "verkehrswirksam". Vier Jahre, in denen sich nichts ändern soll?

Der Gutachter benannte ähnliche Projekte wie beispielsweise die OU von Weißenfels oder Zeitz, die nach ihrer Fertigstellung die Innenstädte entgegen der Hoffnung der Anwohner leider auch nicht entlasten. Gerade Zeitz hat dies erkannt und ist dabei, gemeinsam mit seinen Einwohnern ein kommunales Verkehrskonzept umzusetzen.

Das Forum machte deutlich, dass auch Naumburg ein solches Konzept dringend benötigt. Tempo 30 und Nachtfahrverbote für Lkw sollten dabei keine Tabus sein, wenn man ernsthaft nach einer schnellen Verbesserung sucht. Wenn Stadt und Einwohner zusammen für das Welterbe eintreten, warum nicht auch zusammen für ein gemeinsames Verkehrskonzept mit einer allgemeinen Verkehrsentflechtung.
Frank Biedenweg, Verein Rettet das Saaletal

»Naumburger Tageblatt«, 21.2.2013, S. 12

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