Donnerstag, 25. April 2013

Problem sollte nicht ignoriert werden

Zum Welterbeantrag von Teilen der Saale-Unstrut-Region und dem geplanten Bau der Umgehungsstraße Bad Kösen und Naumburg.

Im jetzt auf den Weg gebrachten Welterbeantrag für die hochmittelalterliche Kulturlandschaft im Saale-Unstrut-Gebiet spielt diese Fragestellung scheinbar keine Rolle.

Das Gebiet wurde einfach so eingegrenzt, dass "störende" Bauten, wie das Zementwerk Karsdorf, die neue ICE-Strecke und die geplante Brücke der Bundesstraße 87n hinter der Burg Saaleck nicht im Antragsgebiet liegen. Doch gerade zur Brücke gab es von Icomos schon 2009 eine klare Aussage, dass die Brücke den Antrag gefährdet, weil sie die Sichtachsen nach Thüringen zerstört. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sieht die Problematik ebenso.

Wie geht man an anderer Stelle mit solchen Problemen um? Die Diskussion in Wörlitz, dass durch den geplanten Supermarkt vor den Toren des Welterbes Wörlitzer Park der Welterbetitel aberkannt werden könnte, sollte den Verantwortlichen in Naumburg zu denken geben. Auch in Wörlitz geht es um Sichtachsen. Die Vorsitzenden des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut, die den Welterbetitel beantragt haben und in politischer Verantwortung stehen, haben sich bis heute klar positioniert: Landrat und Oberbürgermeister setzen die Priorität auf die unnütze Brücke mit Umgehungsstraße. Was wohl die den Antrag letztendlich bewertende Unesco in Paris dazu sagt, wenn die Verantwortlichen, die das Antragsgebiet eigentlich schützen sollen, schon vor dem Antrag eine solche Schädigung billigend in Kauf nehmen?

Wörlitz zeigt, man muss sich mit dem Problem auseinandersetzen und es nicht ignorieren.

Der Welterbetitel ist für unsere Region außerordentlich wichtig und könnte vielen Entwicklungen dauerhaften Impuls geben. Dafür lohnt es sich zu kämpfen und nicht für eine Bundesstraße 87n, die keine Entlastung bringt.

Dr. Helmut Schache, Bad Kösen, Verein Rettet das Saaletal

»Naumburger Tageblatt«, 25.4.2013, S. 13

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