Montag, 26. März 2012

Entlastungswirkung spielt keine Rolle

Zur geplanten Umgehungsstraße Naumburg-Bad Kösen.

In der Klageerwiderung wird offiziell eingestanden, dass die Entlastungswirkung für die Ortsdurchfahrten Naumburg und Bad Kösen für den Planfeststellungsbeschluss keine entscheidende Rolle gespielt hat, sondern der angeblich zukünftige überregionale Bedarf. Es soll also eine Straße gebaut werden, bei der die Entlastung von Naumburg und Bad Kösen keine Rolle spielt. Die Unterschriftengeber werden aber mit einer Entlastung geködert, die sie nicht bekommen, dafür aber zusätzlichen Verkehr.

Den Unterzeichnern wird auch nicht gesagt, dass eine geringfügige Entlastung von Naumburg und Bad Kösen (maximal 1 500 Fahrzeuge) sowie eine Mehrbelastung der Orte Wethau, Gernstedt und Eckartsberga mit mehr als 4 500 Fahrzeugen erfolgt. Der Geschäftsführer des kommunalen Krankenhauses scheut sich nicht, unter missbräuchlicher Nutzung seiner Patientendatei für die Umgehung zu werben. Mit falschen Zahlen verspricht er, die Gesundheitsgefährdung zu verringern. Das Gegenteil wird für viele Menschen zwischen Wethau und Eckartsberga der Fall sein.

Die neusten Verkehrszählungen (2010) bestätigen wiederholt, Naumburg leidet unter starkem Ziel- und Quellverkehr mit täglich 83 400 Fahrzeugen, der durch eine weiträumige Umgehungsstraße mit 1 500 Fahrzeugen nicht sinnvoll entlastet werden kann. Naumburg brüstet sich, flächenmäßig jetzt so groß wie Halle zu sein. Dadurch hat sich der Ziel- und Quellverkehr erhöht. Ein Verkehrskonzept für das stark vergrößerte Naumburg gibt es jedoch nicht ansatzweise. Bis zum heutigen Tag hat sich der Beirat zur Vorbereitung des Welterbeantrages nicht mit den negativen Auswirkungen der Bundesstraße 87n, vor allem der Brücke, beschäftigt. Icomos hat ausgesagt, sie können sich nicht vorstellen, dass der Antrag mit der Brücke genehmigt wird.

Wir sind nicht gegen die Entlastung der Ortsdurchfahrten durch ortsnahe Lösungen. Die richtigen Forderungen für die Verkehrslösung von Naumburg und Bad Kösen sind: Erstellung eines ganzheitlichen Verkehrskonzeptes, Einsatz von Mitteln für ortsnahe Entlastungen statt für eine uneffektive Bundesstraße 87n, Ausbau des öffentlichen Verkehrs, durchgängige Gestaltung der Radwege für den Stadtverkehr, Park-and-Ride-Möglichkeiten, rechtzeitige Einbeziehung der Bevölkerung in Planungen. Ein erster Schritt wäre eine grüne Welle in Naumburg.

Dr. Helmut Schache, Bad Kösen,
Verein "Rettet das Saaletal"

»Naumburger Tageblatt«, 26.3.2012, S. 12

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