Donnerstag, 25. August 2011

Die Geister scheiden sich

FORUM Auf Einladung des Vereins "Rettet das Saaletal" diskutieren Politiker, Experten und Bürger über den geplanten Bau der Naumburger Umgehungsstraße.

VON HANS-DIETER SPECK

NAUMBURG - Gibt es Alternativen zur geplanten Umgehungsstraße B 87n, um Naumburg vom Verkehr zu entlasten? Und ist diese Südumgehung überhaupt sinnvoll? Zu diesen Fragen hatte der Verein "Rettet das Saaletal" am Dienstagabend zu einer öffentlichen Diskussion in den Naumburger Ratskellersaal eingeladen.

Der stellvertretende Vereinssprecher Frank Biedenweg konnte dabei an die 50 Gäste begrüßen. Im Podium hatten Platz genommen: der Sprecher für Verkehrspolitik von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Stephan Kühn, der Vorsitzende des Umweltausschusses des Landtages, Dietmar Weihrich (Grüne), sowie Armin Müller, Leiter des Naumburger Oberbürgermeisterbüros, und Bad Kösens Bürgermeister Gerd Förster. Fachkundige Unterstützung zum Thema "Weniger Verkehr durch Naumburg - aber wie?" hatten die Veranstalter mit Wulf Hahn vom Marburger Verkehrs- und Umweltmanagement RegioConsult eingeladen - einem ausgewiesenen Experten für Verkehrs-, Landschafts- und Umweltplanung.

Hahn ging der hauptsächlichen Frage nach, welche Entlastungswirkung die geplante Umgehungsstraße B 87n, die so genannte Südumleitung, hat und wie sie durch andere Lösungen zur Entlastung der Naumburger Innenstadt vom Verkehr überflüssig sein könnte. Hahn unterbreitete dafür etliche -seiner Meinung nach - praktikable Lösungen: Tempobegrenzungen auf 30 km/h, Optimierung der Staffelung der Lichtsignalanlagen, Ausbau einer Nordumfahrung unter Ausnutzung der ehemaligen Bahntrasse der Wethaubahn, Bau von Schnellwegen für Elektrofahrräder und den bereits von der Nasa ins Gespräch gebrachten S-Bahn-Verkehr zwischen den in der Umgebung liegenden Großstädten bis 2015.

Viele Zahlen wurden genannt und im Podium kontrovers diskutiert. Die Gegner der Umgehungsstraße verwiesen zudem auf die Prognosen vom stetig steigenden Verkehrsaufkommen für Naumburg, die nicht eingetroffen seien. Eines der wichtigsten Argumente gegen die Umgehungsstraße sei -so der grüne Landtagsabgeordneter Weihrich -, dass der Quell- und Zielverkehr nicht auf die Umgehungsstraße verlagert werden könne. "Die B 87n wird keine Entlastung bringen, sie sollte nicht gebaut werden", so Weihrich.

Armin Müller, versiert in der Stadtplanung, ging von gänzlich anderen Zahlen der Verkehrsbelastung aus, als sie von Hahn vorlegt wurden und unterstrich, dass das Problem Verkehrsentlastung seit 20 Jahren Thema im Gemeinderat sei, es viele Überlegungen gegeben habe, auch zur Nordumgehung, die aber aus Naturschutz- und anderen Gründen abgelehnt worden waren. Müller: "Wenn wir nur die Hälfte des Schwerverkehrs auf die Umgehungsstraße bringen, kann man in Almrich wieder ruhig schlafen".

Und da schieden sich denn auch die Geister am Dienstagabend: Wer an den Durchgangsstraßen in Naumburg wohnt, ist für die Umgehungsstraße. "Dagegen", so wurde von einer Bürgerin gesagt, "werden wir in Eckartsberga an den Rand gedrängt." Bei Taugwitz wird die Umgehungsstraße wieder auf die bestehende Bundesstraße überführt. Landläufige Meinung dazu: 1 500 Fahrzeuge weniger in Naumburg, sind 2 000 mehr in Eckartsberga.

Auch die Wethauer - so lautete eine Meinung - seien mit dem Bauvorhaben nicht glücklich. Anwohner der Naumburger Luxemburg-sowie Jägerstraße verwiesen dagegen auf Belästigungen durch Fahrzeugströme, die in Richtung Freyburg gehen und durch die Südumfahrung nicht verschwinden würden. Ein Anwohner der Roßbacher Straße hat festgestellt, dass durch den neuen Kreisverkehr das Verkehrsaufkommen größer geworden ist.

Unabhängig von den verkehrstechnischen Fragen machte eine der Anwesenden auf die das Saaletal künftig überquerende Brücke und die Ambitionen zum Weltkulturerbe-Status aufmerksam. Das von allen so gelobte Saaletal werde da wohl seine Einmaligkeit verlieren, meinte sie.

Es wurde fleißig diskutiert. Die Nachwirkungen der Diskussion bleiben abzuwarten. Der Verein "Rettet das Saaletal" hat inzwischen - laut eigener Aussage - Klage gegen den Bau der Umgehungsstraße eingelegt.

»Naumburger Tageblatt«, Donnerstag 25.8.2011, S. 7

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